|
Artikel erschienen im Online-Magazin die Virtuelle www.die-virtuelle.com im
November 2007.
In
diesem Bericht werden zwei Aspekte der Weiblichkeit betrachtet.
Wie
sich diese in den Signaturen der Natur manifestieren habe ich anhand von
zwei recht unterschiedlichen Pflanzen dargestellt, dem Frauenmantel und
der Tollkirsche. Beide Kräuter können auf eine lange Tradition als
Frauen- und Hexenkräuter zurückblicken.
.
Ägyptens
Urmutter
Wenn
die alten Ägypter in den sternenbedeckten Nachthimmel blickten, so sahen
sie dort Nut, die Urgöttin die geheimnisvolle, tief weibliche Göttin der
Nacht . Schützend umspannt sie mit ihrem Körper die Erde. Gleichzeitig
verkörpert sie wie jede Frau die ewigen Zyklen von Geburt und Tod. Am
Abend verschluckt sie die Sonne (das männliche Prinzip) im Westen und
gebiert diese am nächsten Morgen durch ihren Schoß im Osten. Als
weiblicher Archetypus ist sie es, die sowohl das Leben gibt als auch
nimmt. Nut gilt nicht nur als Göttin de Nacht, sondern auch als
Totengöttin,
sie findet sich in Darstellungen an der Innenseite von Sarkophagen und in
Grabkammern als Begleiterin der Seelen nach dem Tod. Das ewig weibliche
zieht uns hinan. Doch wer das Weibliche ergründen will hat es schwer. Für
die 50 % der Außenstehenden (die männliche Hälfte) ist die ohnehin
nahezu unmöglich. Doch aus Insider (Frauen) sehen sich in einem
Spannungsfeld der archetypischen Kräfte.
Das
Weibliche im Spiegel
Wer
das Weibliche ergründen will, der blicke in den Spiegel der Natur. Das
Helle, Anmutige, Liebreizende, Verführerische aber auch das Tiefgründige,
Abgründige und Geheimnisvolle, das Unergründliche finden wir in
mannigfacher Vielfalt und in allen Facetten vor. Und weil ich mich seit
vielen Jahren mit Pflanzen beschäftige, stelle ich Ihnen zwei recht konträre
Manifestationen des weiblichen Prinzips in der Kräuterwelt vor.
Frauenmantel
- Göttin - Mutter - Frau
.
Der
Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist der Prototyp von
"Frauenpflanze" schlechthin. Die Pflanze verkörpert den
Archetyp Mutter. Ihre samtig behaarten, weichen Blätter erinnern an einen
einhüllenden, Schutz bietenden Mantel oder auch an einen Frauenrock. Da
die Blätter auch Flüssigkeit abscheiden haben wir hier einen starken
Bezug zum Mond. Die grünlichgelben zarten winzigen Blüten weisen
typische Venus-Signatur auf. Aus meiner schamanischen Praxis am
Medizinrad-Institut und in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
konnte ich immer wieder feststellen, dass sich Frauen und Mädchen
instinktiv von dieser Pflanze angezogen fühlen. Das berühren der Blätter
erinnert an das streicheln eines kleinen felligen Tieres - und so wird
auch gleich unser Mutterinstinkt angeregt.
In der Mitte jedes Blattes befindet sich eine Mulde. In dieser
Vertiefung sammeln sich Flüssigkeit, die die Pflanze selbst an ihrem
Blattrand ausscheidet. Alchemisten sollen ganz wild auf diese sogenannten
Guttationstropfen des Frauenmantels gewesen sein, wie wollten sie auch
ohne Frauen-Energie Gold herstellen ?? Der lateinische Name Alchemilla
bezeugt noch diese Verwendung. Schöne und traurige und schmerzhaften
Seiten im Leben einer Frau kann der Frauenmantel begleiten. Von der ersten
Menstruation, über Schwangerschaft, Geburt bis Menopause schützt und
heilt die Pflanze, wirkt Hormonausgleichend und spendet Trost nach
traumatischen Erlebnissen wie schwere Geburten, oder Missbrauchsthematiken
und operativen Eingriffen.
Einen
ganz anderen Frauentyp symbolisiert die folgende Pflanze:
Belladonna
- Lilith im Pflanzenreich
Es
geht um die Tollkirsche (Atropa belladonna), im Volksmund auch
Waldnachtschatten, Dollwurz oder Wolfsbeere genannt. Nomen
est omen. Der
Gattungsname weist auf Atropa die griechische Schicksalsgöttin zurück.
Es ist jene, die den Lebensfaden durchschneidet ! Die Schöne wartet mit
einem Coctail an Giftstoffen wie Atropin, Scopolamin und Tropanalkaloiden
auf. Die anmutige Pflanze wächst meist auf Waldlichtungen. Ihre glänzend
schwarzen Beeren sind ebenso verlockend wie giftig. Ihre Blüten sind
braun-violett, innen im Schlund der Blüte jedoch schmutzig-gelb mit
dunkler Äderung - eine deutliche Giftsignatur.
Hexen
sollen die Tollkirsche als Zutat für Ihre Flugsalben verwendet haben.
Frauen träufelten sich den Pflanzensaft in die Augen um besonders große
Pupillen zu erhalten. Große Pupillen wirken verführerisch - das weiß
auch die heutige Werbebranche. Frau nahm dabei eine eingeschränkte Sehfähigkeit
in Kauf, aber in manchen Situationen wollte sie vielleicht ohnehin mal
nicht so genau hinschauen. Liebe macht bekanntlich ohnehin blind...
Atropa
belladonna verkörpert jedenfalls die andere Seite der Mutter. Und wer
auch diesen Teil der Natur ehrt, nicht gleich Angst kriegt und die Pflanze
einfach umtritt (wie man es leider oft beobachten kann) der kann sich
etwas Zeit nehmen und sich beim nächsten Waldspaziergang einfach still in
die Nähe dieser Pflanze setzen. Wenn der ewig ratternde Verstand ruht und
der Geist frei wird, spüren wir die Ausstrahlung und Kraft dieser sehr
weiblichen Pflanze. Die Pflanze entspricht dem Archetyp der Lilith.
Mythologische war Lilith die erste Frau Adams. Sie war klug, selbstbewusst
und freiheitsliebend und ließ sich von Adam nicht unterkriegen. In
Geburtshoroskopen von Frau und Mann steht Lilith
- "der dunkle Mond" - für Autonomie und Verwirklichung
des eigenen Potentials aber auch für die Auseinandersetzung mit den
eigenen Schattenseiten.
|