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Europäischer
Schamanismus
auf
der Suche nach den Wurzeln:
Die
Wurzel des Wortes
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Das
Wort Schamanismus oder "Schamane" wird aus der Sprache der
Ewenken hergeleitet. Die Ewenken sind eine kleine tungusisch sprechenden
Menschengruppe von Jägern und Rentierhirten in Sibirien. Das Wort šaman
könnte eine Ableitung von der tungusischen Wurzel ša- (denken,
wissen; šaman - der Wissende - der im Dunkeln sieht) sein. Eine
weitere Interpretation des Wortes greift auf die, die "mit Hitze und
Feuer (Ekstase) arbeiten" zurück. Eine andere Theorie besagt, das
Wort käme aus dem Sanskrit, leite sich etymologisch von "samana"
(Bettelmönch, Asket) ab und sei über Indien oder Tibet nach Zentralasien
und von dort nach Sibirien gekommen. Genug der "Wortglauberei",
fest steht jedenfalls, dass dieser Begriff aufgegriffen wurde und für ähnliche
Phänomene auf der ganzen Welt angewendet wird.
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Schamanisches
Bewusstsein
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Tatsächlich
sind die grundlegenden Methoden des Schamanismus auf der ganzen Welt ähnlich,
wenn auch die Rituale abweichen können. Meiner Meinung nach ist
Schamanismus ein uraltes Kulturgut, das wohl in prähistorische Zeit zurückgeht
und Hand in Hand mit der Menschheitsentwicklung und
Bewusstseinsentwicklung entstanden sein muss. Aus der Arbeit mit Gruppen
und Einzelpersonen kann ich sagen, dass schamanische Erfahrungen in
unserer Seele tief verankert sind, sie müssen nicht erlernt, sondern nur
gehoben werden. Wenn man mit Kindern arbeitet, weiß man, dass es für
ganz natürlich ist, sich in schamanischen Welten zu bewegen. Unsere Märchen
sind voll von schamanischen Seinszuständen. Auch Erwachsene finden in der
Regel leicht Zugang zu ihrer inneren Verbundenheit, wenn sie bereit sind,
sich Raum und Zeit zu geben und die Alltagswelt mit ihren Regeln und
Pflichten für eine Weile zu verlassen - den Montagepunkt zu verschieben. Trotzdem
handelt es sich nicht um ein bloßes Weggleiten in Tagträumereien, sondern um
einen sehr bewussten Zustand, in dem echte Veränderungen für den Alltag
möglich sind.
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Die
Aufgabe des Schamanen, der Schamanin
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Schamanen
und Schamaninnen in allen nativen Kulturen haben die Aufgabe, die
Verbindung zur spirituellen Welt herzustellen und aufrecht zu halten. Mit
Hilfe verschiedener Techniken, erreichen sie einen veränderten
Bewusstseinszustand, der es ihnen ermöglicht mit anderen Wirklichkeiten
in Kontakt zu treten, in ihnen zu wirken und auch Informationen für ihre
Gemeinschaft einzuholen. Sie verhandeln mit dem "Herrn der
Tiere", damit die Jagd einen guten Ausgang findet, sie sind für
Gesundheitsfragen und Heilung zuständig, oft haben sie ein enormes Wissen
über Heilpflanzen, sind "Experten" der menschlichen Psyche, können
verschiedenste Zeichen in der Natur deuten (Mantik) und stellen die
spirituelle Führung ihrer Gemeinschaft dar. In Stammeskulturen wird man
Schamane, indem man von den Geistern dazu berufen wird. Dies ist oft
verbunden mit einer sogenannten Berufungskrankheit, die keiner Heilmethode
zugänglich ist und mit unerklärlichen Schmerzzuständen verbunden sein
kann. Schamanen berichten, dass diese Schmerzen verschwunden waren, sobald
sie den Ruf angenommen hatten. Schamane oder Schamanin zu sein, scheint in
vielen Kulturen kein besonders beliebter Job zu sein! Der angehende
Schamane sucht dann meist einen Lehrer oder eine Lehrerin, die ihn weiter
ausbildet. Diese Ausbildung kann viele Jahre dauern. Manchmal zieht er
sich auch ganz in die Einsamkeit zurück, wo er nur von der Natur selbst
lernt, wie ich dies beispielsweise von einem Baum-Schamanen aus Südamerika
erfahren durfte, der mehrere Jahre völlig isoliert im Regenwald lebte und
von den Geistwesen der Bäumen lernte, bevor er wieder in sein Dorf als
Schamane zurückkehrte.
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Das
schamanische Weltbild
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Das
schamanische Weltbild zeichnet sich durch eine tiefe Verbundenheit mit der
Natur und mit allen Wesen der Erde aus. Schamanen sehen in den Tieren, den
Pflanzen, den Steinen, in Sonne, Mond, Wind und Regen ein Wesen, mit dem
man kommunizieren kann. Alles was Wesentlich ist, ist ein Wesen. Wie
Wetterphänomene (Gewitterwolken) auf menschliche Emotionen und Intention
reagieren, konnte ich heuer im Sommer bei einer Studienreise in der Wüste
Mexikos erfahren. Wir sind nicht isoliert, alles was wir tun wirkt sich
aus im Netz der Kraft. Entwicklungsschritte die gemacht werden, wirken
sich förderlich im Gesamtsystem aus. Dieser Ansatz ist nicht nur
spirituell, sondern meiner Meinung nach auch ökologisch von besonderer
Bedeutung. Tiere, Pflanzen, Mineralien, ja die Erde selbst kann als Verbündete
als Freund erlebt werden. Es geht hier um eine Verbundenheit, die sich auf
der Herzensebene abspielt und nicht im Kopf allein. Was wir lieben, womit
wir in Freundschaft verbunden sind, werden wir auch nicht gedankenlos
zerstören. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse um ökologische
Zusammenhänge sind wichtig, allein - sie können ohne emotionalen Bezug,
die Herzen der Menschen nicht erreichen.
Deshalb
ist es in der heutigen Zeit so wichtig mentale und emotionale Ansätze
nicht als unvereinbare Gegensätze zu betrachten, sondern beiden ihren
Stellenwert einzuräumen.
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Rituale
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Rituale
nehmen einen zentralen Bereich im Schamanismus ein. Rituale geben
Bedeutung, schaffen einen besonderen, "heiligen" (heilenden)
Raum, lenken Energien, setzen Zeichen am Lebensweg. Zeichen am Lebensweg
sind beispielsweise Übergangsrituale, Intitiationsrituale und die
keltisch-germanischen Jahreskreisfeste. Rituelle Handlungen und Feste
haben sich in Europa bis zur heutigen Zeit gehalten, wenn auch oft ihr
Bedeutungsinhalt nicht mehr wirklich bekannt ist. Viele dieser Rituale
wurden in Europa in christlichen Feste übernommen.
Taufe,
Hochzeit, Totenfest, alpine Mittwinterbräuche, das Weihnachtsfest
(Wintersonnwende), Bräuche in den Raunächten, Maitänze,
Fruchtbarkeitskulte, Sonnwendbräuche, Kräuterweihe und verschiedene
Abwehrzauber, die im Alpenraum noch immer lebendig sind.
Bräuche
und Rituale werden zwar noch ausgeführt, wenn man aber nachfragt warum
das oder jenes so gemacht wird, bekommt man nur zur Antwort: "das
macht man halt so... oder ... das haben wir immer schon gemacht."
Wenige wissen um die ursprüngliche spirituelle Bedeutung. Unser
schamanisches Erbe in Europa ist verschüttet unsere Wurzeln müssen
wiederbelebt werden.
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Schamanismus
in Europa
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Wenn
man davon ausgeht, dass das schamanische Naturverständnis eine Art von
spiritueller Urverbindung zwischen Mensch, Natur und Kosmos ist, so kann
man annehmen, dass natürlich auch die Ureinwohner Europas ein schamanisch
geprägtes Weltbild hatten. Zahlreiche Höhlenmalereien und Petroglyphen
geben Zeugnis von naturmagischen Praktiken unserer Vorfahren. Als die
Kelten sehr viel später nach Europa kamen, fanden Sie Kultstätten einer
alten Megalithkultur (Steinkreise, Steinreihen, Hügelgräber, Dolmen) vor
und setzten das magische Naturverständnis der neolithischen Kulturen
fort. Die riesigen Granitaltäre wurden später zu keltischen Weihplätzen.
Die geistige Führung lag bei den Kelten in den Händen der Druiden. Diese
galten als besonders heilkundig. Druiden und Priesterinnen wussten um die
alten Heilrituale und halfen den Menschen, das Gleichgewicht zwischen
Mensch, Erde und Kosmos zu halten. Die Kelten besaßen auch ein hohes
Wissen der Heilkräuterkunde. In den Kräutern und Bäumen sahen sie
geistige Wesen. Dieses Wissen um die geistige Kraft der Heilkräuter
existierte noch bis ins Mittelalter - im Wissen der weisen Frauen, der
Zauberfrauen. Zugrunde lag ein völlig anderes Naturverständnis als
jenes, das ab der Zeit der Aufklärung allgemein üblich wurde. Die
Heilpflanze, die Gundelrebe, das Veilchen, das Leberblümchen, der Beifuss
ist ein Wesen - viel mehr als die Summe ihrer chemischen und
arzneikundlich wirksamen Inhaltsstoffe. Um das Wesen der Natur zu ergründen,
ist es notwendig hinauszugehen beziehungsweise hinein - in jenen Raum, in
dem Erfahrung möglich ist. Auch Paracelsus, jener geniale Naturgelehrte,
Mystiker und Philosoph, dessen Wurzeln in die Antike bis hin nach Ägypten
zu Hermes Trismegistos reichen, schreibt am Beginn der Neuzeit: "Alle
Erkenntnis der Welt, die wir Menschen auf Erden besitzen, stammt nur aus
dem Lichte der Natur. Dieses Licht der Natur reicht vom Sichtbaren zum
Unsichtbaren und ist hier so wunderbar wie dort. Im Lichte der Natur ist
das Unsichtbare sichtbar." Der Verstand allein ist nicht imstande
jenes wunderbare Unsichtbare zu ergründen. Ein offenes Herz und ein
offener Geist sind dafür nötig. Schamanismus ist für mich ein Weg des
Herzens.
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