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Der
Geist der Maske
Schamanische
Maskenarbeit
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Die
Faszination des zweiten Gesichts
Masken sind geheimnisvoll,
regen die Phantasie an, faszinieren, wecken unsere Neugier oder stoßen uns ab
und lassen uns erschaudern. In ihnen wohnt eine spürbare Kraft. Diese tritt
vor allem dann in Erscheinung, wenn der Träger ganz mit der Maske
verschmilzt. In solchen Fällen kann man auch eine Veränderung der subtilen
Ausstrahlung der Maske selbst erkennen - ein faszinierendes Schauspiel.
Masken gehören zum Kulturgut
aller Völker. Seit der Urzeit verwendet der Mensch Masken. Sie dienten
spirituellen Zwecken und wurden in Zeremonien oder bei Ritualtänzen
getragen. Entscheidend für den Spirit der Maske ist die Absicht und
Ausrichtung bei ihrer Anfertigung. Masken können unterschiedliche Aufgaben
erfüllen. Wir finden Masken, die Schutz- und Naturgottheiten darstellen und
solche die dem Träger das Schlüpfen in eine Tiergestalt ermöglichen.
Andere wiederum stellen Naturgeister oder Ahnen dar. Seit der ägyptischen
Hochkultur finden wir auch die Totenmaske, die dem Verstorbenen "als ein
zweites Gesicht" im Jenseits dient. Seit der Antike werden Masken in
Mysterienspielen und im Theater getragen. Bis zur heutigen Zeit lebt der Geist
der Maske und zeigt sich in Bräuchen wie Fastnacht, Karneval oder
Perchtenlauf.
Ungelebte
Rollen und Schattenpotentiale
Die Maske verbirgt, verhüllt
und öffnet gleichzeitig - stellt zur Schau, zeigt sich. Vielleicht liegt in
dieser Zwiespältigkeit auch ein Teil ihrer Faszination begründet.
Werden Masken rituell, also in
einem spirituellen Kontext angefertigt, so sind sie im schamanischen Sinne
sehr starken Kraftgegenständen. Solche Masken sind individuelle Wesen. Sie
verhelfen dem Träger der Maske in eine neue, bisher ungelebte Rolle zu schlüpfen.
Sie halten die Energie und erinnern an verborgene Potentiale, machen sie
lebendig, manifestieren sie im Hier und Jetzt. Die Maskenarbeit hat eine sehr
lange Tradition mit einem starken, damit einhergehenden Informationsfeld.
Dieses alte Wissen wende ich am Medizinrad-Zentrum
in Einzelsitzungen und in der Arbeit mit Seminargruppen an.
Wie
Sie Ihre Kraft in der Maskenarbeit manifestieren können:
Die Maskenarbeit setze ich
in der schamanisch orientierten Naturpraxis dann ein, wenn es darum geht verborgene Talente und Fähigkeiten zu
aktivieren, Ziele und Entscheidungen zu manifestieren oder auch um
Schattenanteile kennenzulernen und zu transformieren. Nach einer grundsätzlichen
Klärungsphase, begleitet durch verschiedene schamanische Methoden, wie
Trommeltrancereise, kreative Techniken oder Naturmeditationen, fertigen
wir einen Maskenrohling aus Gips an. Der Gipsabdruck wird dabei direkt vom
Gesicht des Teilnehmers / der Teilnehmerin abgenommen. In einem
weiterführenden Prozess wird die Maske bemalt und mit Naturmaterialien
ausgestaltet, wobei Farben und Materialien im Sinne der speziellen Intention
ausgewählt werden. Nach der Fertigstellung wird die Maske erstmals getragen
und ihr Wesen rituell aufgerufen.
Das
Ritual konturiert durch Reflexion im Gegenüber bzw. mit der Gruppe die
eigentliche Energiequalität im Wesen der Maske. Es schafft somit Klarheit über
das Potential das in der inneren Person steckt, die die Maske symbolhaft
darstellt. Wenn möglich finden diese Rituale an einem besonderen Platz in der
Natur statt. Im Maskenritual offenbart sich das Wesen der Maske - ein starkes
Erlebnis für alle Beteiligten. Auch später kann die Maske in schwierigen
Situationen helfen jene ursprüngliche Kraft lebendig werden zu lassen.
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Eine
ehemalige Workshop-Teilnehmerin beschreibt die Erlebnisse mit Ihrer Maske wie
folgt:
Die
gelbe Maske mit dem Sonnenmuster steht im Regal und schaut zu mir herüber.
Ganz klar, sie ruft mich. Sie will, dass ich Zeit mit ihr verbringe. Es sind
bereits mehrere Jahre vergangen, seit ich sie angefertigt habe, und ich kann
mich nur mehr vage daran erinnern, was sie mir damals erzählt hat.
Ich
stecke gerade bis zum Hals in Problemen, aber ich muss auf einmal wieder an
die gewaltige Kraft zurückdenken, die mir meine Maske damals vermittelt hat.
Die
Maske ruft mich drängender. Na gut, dann nehme ich sie eben aus dem Regal und
halte sie vor mich. Die ganze Szene ruft bei mir unwillkürlich ein Kichern
hervor, weil ich da so allein in meinem Wohnzimmer sitze, die Maske vor dem
Gesicht.
Und
während aus meinem Bauch plötzlich ein tiefes Lachen hervorquillt,
durchflutet mich eine gewaltige Kraft; ich muss mich erst an sie gewöhnen, an
die Wucht, mit der sie durch meine Adern braust. Ich bin auf einmal kreativ,
wie ich es vorher noch nie gewesen bin. Ich bin mächtig, ich strahle. Ich
rotiere wie die Sonne und schleudere, mich selbst gebend, mein Licht und meine
Wärme in den Raum hinaus. Gleichzeitig werde ich zur Philosophin und
beschreibe dieses Schauspiel: Ich weiß, dass ich im Einklang mit den Kräften
der Schöpfung bin. Ich weiß, ich kann meine Schwierigkeiten meistern, die
mir noch vor ein paar Minuten schier unlösbar erschienen sind. Ich hatte
vergessen, welche Ausdauer und Liebe in mir stecken.
Nach einiger Zeit steht die Maske wieder im Regal. Sie scheint mir gutmütig
zuzugrinsen. Ich grinse zurück und nehme mir vor, nicht wieder Jahre vergehen
zu lassen, bevor ich wieder mit ihr arbeite.
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