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Die Kunst des Feuermachens

aus dem Naturbrief November 2006  

 

"Wem der Feuerschwamm (Zunder) nicht brennen will, der zeugt keine Kinder mehr." Heinrich Marzell

 

Es ist November, eine dunkle Zeit - da dachte ich, kann Feuer, Licht und Wärme nicht schaden. Es beginnt nun auch die Zeit des Räucherns. Feuer, Licht und harzige Düfte gehören zusammen. Feuer schafft Wärme und Geborgenheit. Feuer ist schließlich auch die Grundlage jeder menschlichen Kultur. Wer Feuer machen kann, kann "zaubern". In vielen Kulturen wird der Schamane, die Schamanin daher als "Herr oder Herrin des Feuers" bezeichnet.  

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Für uns als europäische Ureinwohner ist es fein zu wissen, wie schon Ötzi, unser Urtiroler ohne Feuerzeug oder Streichholz Feuer entzünden vermochte. Der Trick dabei war die Verwendung von Zunderschwamm. Funkenschlag allein reicht nämlich nicht aus, eine dauerhafte Glut zu erhalten. Bei der Gletschermumie fand man zwei Baumschwämme, den Fruchtkörper des Birken-Porlings (Piptoporus betulinus) und ein Stückchen des Lärchen.Porlings (Laricifomes officinalis) . So ausgerüstet begab sich Ötzi auf seine Hochgebirgstour durch die Alpen vor etwa 5.400 Jahren. Auch in verschiedenen jungsteinzeitlichen Siedlungen und Pfahlbauten z.B. am Bodensee fand man Fruchtkörper von Baumpilzen, sie dienten ebenfalls schon vor etwa 5.000 Jahren als Zunder.

 

Zunderschwamm ist eigentlich der Überbegriff für verschiedene Pilze - hauptsächlich Porlinge oder Baumschwämme, deren Trama, das ist die Schicht unterhalb der ledrigen Rinde, getrocknet und zerfasert feinen Zunder ergibt. Es hat sie wohl jeder schon gesehen, Baumpilze, die an der Borke von alten oder abgestorbenen Bäumen ihre Fruchtkörper zeigen. Der eigentliche Pilz lebt parasitisch im Holz des Baumes. Aufgrund ihrer Form werden die Fruchtkörper im Volksmund manchmal als Elfenbänke oder Baumstühlchen bezeichnet. Ihnen gemeinsam ist jedenfalls ihr faseriges Fruchtfleisch, das durch Funkenschlag leicht  zum Glimmen gebracht werden kann und mit leicht entzündlichen Materialien wie Birkenreisig oder Kienspänen eine dauerhafte Glut ergibt. In Europa wachsen Zunderschwämme auf Birken, Buchen, Tannen, Lärchen und Eichen, aber auch Erle, Ahorn, Esche und Pappel  können dem Pilz als Wirt dienen. Der echte Zunderschwamm (Fomes fomentarius), auch als Glimmschwamm, Zunderpilz, Zunderhut oder Zunderkugel bezeichnet, wird seit prähistorischer Zeit weltweit zum Feuermachen verwendet.

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In späterer Zeit wurde der Zunder mit Salpetersäure behandelt, was zu einer besseren Brennbarkeit führte. Ötzi hat das wohl einfach mit Urin gemacht. Unbehandelter Zunder wurde im Mittelalter zu Westen, Hüten, Handschuhen, Taschen, Bucheinbänden usw. verarbeitet. Zunder galt auch als blutstillende Wundauflage. Die Nachfrage und wirtschaftliche Bedeutung war damals sehr groß.

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Auch wenn die Baumpilze wirtschaftlich kaum noch bedeutungsvoll sind, ist ihre "Magie" kaum von der Hand zu weisen. Im Alpenraum, in Tirol und in der Schweiz soll man heute noch auf noch auf sogenannte "heilige Lärchen" oder "Muttergottesbäume" treffen. Das sind Lärchen die vom Lärchenporling oder Lärchenschwamm befallen sind. In ihr hohles Holz werden Opfer- und Votivgaben wie Zähne, Münzen oder durchbohrte Lehmkügelchen gelegt.

In der Umgebung solcher Bäume soll es recht unheimlich sein. Im Geäst der heiligen Lärchen heißt es, tummeln sich wahrsagende Wesen der Anderswelt und auf den Schwämmen tanzen Elfen.

Der Lärchenporling wird übrigens auch Apothekerschwamm genannt, sein äußerst bitteres Fruchtfleisch wirkt abführend. Der Wirkstoff, der dafür verantwortlich ist, ist Agaricin. Nach M.Pahlow diente das Pulver des Lärchenschwammes jedenfalls als abführendes Mittel, heute als schweißhemmendes Mittel bei Tuberkulose.

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Tipps zum steinzeitlichen Feuermachen und Räuchern:

 

Der eigentliche Zunder ist die faserige Schicht unter der Rinde des Pilzkörpers, seine Gewinnung ist ein zugegeben recht mühevolles Unterfangen.

Guten Naturzunder gewinnt man auch von den männlichen Samenständen des Rohrkolbens und von Distelsamen.

Blumammu zeigt genau wie`s geht http://www.feuer-steinzeit.de/programm/feuer.php

 

Ist der Zunder erst mal entfacht, sollte man für die weitere Nährung des Feuers man schon mal Fichtenzapfen und sonstige "Bockerl", Birkenrinde oder Kienspäne (harzreiche Späne aus Tannenholz) zur Hand haben.

 

Zunder eignet sich gut als Ersatz für Räucherkohle (mit Phosphor behandelte Holzkohle), solche Räucherungen haben dann auch die Kraft des Pilzwesens in sich.

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Literatur, Quellen:

Christian Rätsch: Der Heilige Hain

Susanne Fischer-Rhizzi: Botschaft an den Himmel

M.Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen

www.feuer-steinzeit.de

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